Vorige: , Nach oben: Paketverwaltung   [Inhalt][Index]


4.11 guix archive aufrufen

Der Befehl guix archive ermöglicht es Nutzern, Dateien im Store in eine einzelne Archivdatei zu exportieren und diese später auf einer Maschine, auf der Guix läuft, zu importieren. Insbesondere können so Store-Objekte von einer Maschine in den Store einer anderen Maschine übertragen werden.

Anmerkung: Wenn Sie nach einer Möglichkeit suchen, Archivdateien für andere Werkzeuge als Guix zu erstellen, finden Sie Informationen dazu im Abschnitt Aufruf von guix pack.

Führen Sie Folgendes aus, um Store-Dateien als ein Archiv auf die Standardausgabe zu exportieren:

guix archive --export Optionen Spezifikationen

Spezifikationen sind dabei entweder die Namen von Store-Dateien oder Paketspezifikationen wie bei guix package (siehe Aufruf von guix package). Zum Beispiel erzeugt der folgende Befehl ein Archiv der gui-Ausgabe des Pakets git sowie die Hauptausgabe von emacs:

guix archive --export git:gui /gnu/store/…-emacs-24.3 > groß.nar

Wenn die angegebenen Pakete noch nicht erstellt worden sind, werden sie durch guix archive automatisch erstellt. Der Erstellungsprozess kann durch die gemeinsamen Erstellungsoptionen gesteuert werden (siehe Gemeinsame Erstellungsoptionen).

Um das emacs-Paket auf eine über SSH verbundene Maschine zu übertragen, würde man dies ausführen:

guix archive --export -r emacs | ssh die-maschine guix archive --import

Auf gleiche Art kann auch ein vollständiges Benutzerprofil von einer Maschine auf eine andere übertragen werden:

guix archive --export -r $(readlink -f ~/.guix-profile) | \
  ssh die-maschine guix archive --import

Jedoch sollten Sie in beiden Beispielen beachten, dass alles, was zu emacs, dem Profil oder deren Abhängigkeiten (wegen -r) gehört, übertragen wird, egal ob es schon im Store der Zielmaschine vorhanden ist oder nicht. Mit der Befehlszeilenoption --missing lässt sich herausfinden, welche Objekte im Ziel-Store noch fehlen. Der Befehl guix copy vereinfacht und optimiert diesen gesamten Prozess, ist also, was Sie in diesem Fall wahrscheinlich eher benutzen wollten (siehe Aufruf von guix copy).

Archive werden als „Normalisiertes Archiv“, kurz „Nar“, formatiert. Diese Technik folgt einem ähnlichen Gedanken wie beim „tar“-Format, unterscheidet sich aber auf eine für unsere Zwecke angemessene Art. Erstens werden im Nar-Format nicht sämtliche Unix-Metadaten aller Dateien aufgenommen, sondern nur der Dateityp (ob es sich um eine reguläre Datei, ein Verzeichnis oder eine symbolische Verknüpfung handelt). Unix-Dateiberechtigungen sowie Besitzer und Gruppe werden nicht gespeichert. Zweitens entspricht die Reihenfolge, in der der Inhalt von Verzeichnissen abgelegt wird, immer der Reihenfolge, in der die Dateinamen gemäß der C-Locale sortiert würden. Dadurch wird die Erstellung von Archivdateien völlig deterministisch.

Beim Exportieren versieht der Daemon den Inhalt des Archivs mit einer digitalen Signatur, auch Beglaubigung genannt. Diese digitale Signatur wird an das Archiv angehängt. Beim Importieren verifiziert der Daemon die Signatur und lehnt den Import ab, falls die Signatur ungültig oder der signierende Schlüssel nicht autorisiert ist.

Die wichtigsten Befehlszeilenoptionen sind:

--export

Exportiert die angegebenen Store-Dateien oder Pakete (siehe unten) und schreibt das resultierende Archiv auf die Standardausgabe.

Abhängigkeiten fehlen in der Ausgabe, außer wenn --recursive angegeben wurde.

-r
--recursive

Zusammen mit --export wird guix archive hiermit angewiesen, Abhängigkeiten der angegebenen Objekte auch ins Archiv aufzunehmen. Das resultierende Archiv ist somit eigenständig; es enthält den Abschluss der exportierten Store-Objekte.

--import

Ein Archiv von der Standardeingabe lesen und darin enthaltende Dateien in den Store importieren. Der Import bricht ab, wenn das Archiv keine gültige digitale Signatur hat oder wenn es von einem öffentlichen Schlüssel signiert wurde, der keiner der autorisierten Schlüssel ist (siehe --authorize weiter unten).

--missing

Eine Liste der Store-Dateinamen von der Standardeingabe lesen, je ein Name pro Zeile, und auf die Standardausgabe die Teilmenge dieser Dateien schreiben, die noch nicht im Store vorliegt.

--generate-key[=Parameter]

Ein neues Schlüsselpaar für den Daemon erzeugen. Dies ist erforderlich, damit Archive mit --export exportiert werden können. Beachten Sie, dass diese Option normalerweise einige Zeit in Anspruch nimmt, da erst Entropie für die Erzeugung des Schlüsselpaares gesammelt werden muss.

Das erzeugte Schlüsselpaar wird typischerweise unter /etc/guix gespeichert, in den Dateien signing-key.pub (für den öffentlichen Schlüssel) und signing-key.sec (für den privaten Schlüssel, der geheim gehalten werden muss). Wurden keine Parameters angegeben, wird ein ECDSA-Schlüssel unter Verwendung der Kurve Ed25519 erzeugt, oder, falls die Libgcrypt-Version älter als 1.6.0 ist, ein 4096-Bit-RSA-Schlüssel. Sonst geben die Parameter für Libgcrypt geeignete Parameter für genkey an (siehe gcry_pk_genkey in The Libgcrypt Reference Manual).

--authorize

Mit dem auf der Standardeingabe übergebenen öffentlichen Schlüssel signierte Importe autorisieren. Der öffentliche Schlüssel muss als „advanced“-formatierter S-Ausdruck gespeichert sein, d.h. im selben Format wie die Datei signing-key.pub.

Die Liste autorisierter Schlüssel wird in der Datei /etc/guix/acl gespeichert, die auch von Hand bearbeitet werden kann. Die Datei enthält „advanced“-formatierte S-Ausdrücke und ist als eine Access Control List für die Simple Public-Key Infrastructure (SPKI) aufgebaut.

--extract=Verzeichnis
-x Verzeichnis

Ein Archiv mit einem einzelnen Objekt lesen, wie es von Substitutservern geliefert wird (siehe Substitute), und ins Verzeichnis entpacken. Dies ist eine systemnahe Operation, die man nur selten direkt benutzt; siehe unten.

Zum Beispiel entpackt folgender Befehl das Substitut für Emacs, wie es von ci.guix.gnu.org geliefert wird, nach /tmp/emacs:

$ wget -O - \
  https://ci.guix.gnu.org/nar/…-emacs-24.5 \
  | bunzip2 | guix archive -x /tmp/emacs

Archive mit nur einem einzelnen Objekt unterscheiden sich von Archiven für mehrere Dateien, wie sie guix archive --export erzeugt; sie enthalten nur ein einzelnes Store-Objekt und keine eingebettete Signatur. Beim Entpacken findet also keine Signaturprüfung statt und ihrer Ausgabe sollte so erst einmal nicht vertraut werden.

Der eigentliche Zweck dieser Operation ist, die Inspektion von Archivinhalten von Substitutservern möglich zu machen, auch wenn diesen unter Umständen nicht vertraut wird.

--list
-t

Ein Archiv mit einem einzelnen Objekt lesen, wie es von Substitutservern geliefert wird (siehe Substitute), und die Dateien darin ausgeben, wie in diesem Beispiel:

$ wget -O - \
  https://ci.guix.gnu.org/nar/lzip/…-emacs-26.3 \
  | lzip -d | guix archive -t

Vorige: , Nach oben: Paketverwaltung   [Inhalt][Index]